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amorphis circleAMORPHIS habe ich eigentlich schon oft genug gesehen. Deshalb hatte ich gar nicht vor, die Band auch auf dieser Tour zu sehen. Doch dann wurden HAMFERÐ als einziger Support bekanntgegeben. Und zum einen mag ich Touren mit nur einer Vorband und zum anderen liebe ich HAMFERÐ und deren aktuelles Album „Evst“. Außerdem kann man die Färinger ja auch nicht alle Tage sehen. Dumm nur, dass ich bei den Terminen, die von der Entfernung her am nächsten lägen, nicht kann. Also mal wieder meine Beklopptheit ausgepackt und nach Glauchau gefahren. In der Alten Spinnerei wird dann allerhand von mir abverlangt, denn um in den Fotograben zu kommen, darf man erstmal über eine ca. 1 m hohe Barriere klettern. 3 Wochen nach einer Knie-OP. Da könnt ihr mal sehen, was ich für euch mache!

Dabei ist die Alte Spinnerei ein sehr netter Laden, mit großem Parkplatz direkt daneben, auf dem es allerdings schon kurz vor Einlaßbeginn sehr eng wird. Bereits jetzt sind so viele Leute da, dass es fast 45 Minuten dauert, bis alle drin sind. Innen ist die Alte Spinnerei schön gemütlich gestaltet, und hat neben dem Hauptraum auch noch an zwei Seiten eine Empore, die allesamt schon gut gefüllt sind, als ich endlich den Laden betrete. Ich würde mal behaupten, der Laden war, wenn nicht ganz ausverkauft, dann zumindest kurz davor.

HAMFERÐ
Wortlos betreten die Färinger in ihren Anzügen die Bühne und verbreiten damit gleich die richtige Doom-Stimmung. Mit „Evst“, dem Titelsong des neuen Albums, zugleich dem Debüt der Band, geht es los. Wobei auffällt, dass HAMFERÐ mit zwei Ersatzleuten unterwegs sind. Pól Jespersen ersetzt Esmar Joensen am Keyboard und Ísak Petersen, den man auch schon mit Heri Joensens (TÝR) Soloprojekt HELJAREYGA live sehen konnte, springt für Jenus í Trøðini ein. Für eine Undergroundband ist es eben nicht so einfach, mal eben auf eine zweiwöchige Tour zu gehen. Zu Beginn hat die Band auch einige Schwierigkeiten. Das mag jetzt an der geänderten Besetzung liegen oder vielleicht auch daran, dass heute der Tourauftakt ist und man erstmals in dieser Besetzung zusammen auf einer Bühne steht. Man hat sich jedoch bald zusammengerauft und der Sechser schafft es, auch auf der Bühne die Qualität des Scheibe zu halten. Bis auf „Vráin“ (zu dem es übrigens ein sehr schönes Livevideo, aufgenommen in der Havnar Kirkja (Stadtkirche von Tórshavn) gibt) stammen alle Songs vom aktuellen Album. Leider sind es insgesamt nur 5 Songs geworden, aber da wir hier von Doom sprechen, füllen diese fünf Songs ganze 45 Minuten. Beim abschließenden „Sinnisloysi“ kommt der weibliche Gesang mangels Sängerin vom Band. Normalerweise bin ich ja kein großer Freund von Einspielungen bei Konzerten, aber hier ist es sinnvoll, denn ohne Eivør Pálsdottirs Gesang wäre dieser Song einfach nicht derselbe. Sind zu Beginn die Publikumsreaktionen noch etwas verhalten, so können HAMFERÐ gegen Ende doch deutlich mehr Applaus verbuchen. Und ehrlich: Jeder, der mit Doom etwas anfangen kann, sollte diese Band mal gesehen und/oder gehört haben.

Setlist HAMFERÐ:
Evst
Deyðir Varðar
Vráin
Við Teimum Kvirru Gráu
Sinnisloysi

live 20140314 0110 hamferdlive 20140314 0102 hamferd

AMORPHIS
Doch der Applaus, den HAMFERÐ verbuchen können ist nichts gegen den Jubel, der bei AMORPHIS losbricht. Kein Wunder, ist die Band doch immer ein Garant für tolle Shows. Ich kann mich jedenfalls nicht entsinnen die Finnen jemals schlecht gesehen zu haben. Für AMORPHIS ist dies der zweite Teil der “Circle”-Tour, nachdem sie bereits Ende letzten Jahres durch Europas Clubs getingelt sind. Nun gibt es noch einmal einen Nachschlag und man spielt an anderen Orten als auf der ersten Tour. Leider hat man die Setlist dabei aber nur wenig modifiziert, da wären vielleicht noch ein paar Überraschungen mehr drin gewesen. Aber auch so dürfte es die ein oder andere Überraschung gegeben haben. Gegenüber der letzten Tour hat man die Setlist ein wenig verlängert und vor allem die alten Fans dürften sich gefreut haben, daß es gleich fünf Songs aus den Neunzigern in die Setlist geschafft haben. Mit sehr viel Jubel wird zum Beispiel das von Frontmann Tomi Joutsen als “brutaler Song” angekündigte Medley aus “Vulgar Necrolatry” und “Sign From The North” von Debüt “The Karelian Isthmus” bedacht, aber auch “The Wanderer” vom aktuellen Album “Circle” wird mit sehr viel Applaus belohnt. Das Publikum ist jedenfalls von Anfang an begeistert und AMORPHIS können hier nur gewinnen. Ganz groß ist am Ende wie immer die neue Bandhymne “House Of Sleep”, bei der die Zuschauer gar nicht erst  zum Mitsingen aufgefordert werden müssen und trotz der eher kleinen Alten Spinnerei ganz schön laut sind. Etwas verstörend ist dafür die Musik vom Band, die nach der Zugabe während des Abbauens ertönt – eine Technoversion von “House Of Sleep” mit finnischen Text. Na danke für die Albträume. Trotzdem ist der Andrang am Merchstand, an dem es ungefähr 100.000 Artikel (auch sehr schnieke Unterwäsche für Männlein und Weiblein) zu erstehen gibt, derart groß, daß man kaum zum Zuge kommt.

Setlist AMORPHIS:
Circle Intro        
Shades of Gray    
Mission        
Sampo        
Silver Bride
Two Moons       
The Wanderer    
Against Widows    
My Kantele         
Into Hiding        
Nightbird's Song   
Vulgar Necrolatry    
Hopeless Days   
Alone       
Black Winter Day
----------------------
Skyforger Intro
Sky Is Mine      
You I Need   
House of Sleep    

live 20140314 0208 amorphislive 20140314 0207 amorphis


Leider gibt es kein Merchandise von HAMFERÐ, am nächsten Tag in Prag jedoch schon. Also entweder bin ich blind oder es war tatsächlich am ersten Tourtag noch keines da. Da ich auch das Konzert am nächsten Tag in Prag besucht habe, bin ich jetzt mal so frech, das hier auch noch unterzubringen: Das Licht in Prag war besser. Da spielen die in so einem Kellerloch und haben eine geilere Lichtanlage als die Alte Spinnerei (wobei ich schon sagen muß, daß hier in Glauchau die Bühne arg dunkel war). Dafür war der Sound in der Alten Spinnerei besser. Ich würde sagen, Prag war noch geiler, aber in Prag stand ich auch in der zweiten Reihe, in die ich ja in Glauchau nach dem Fotografieren nicht mehr reingekommen bin. Aber – alles in allem waren beide Konzerte sehr genial. Ein sehr schönes Package mit zwei sehr guten Bands. Und wer jetzt noch die Chance hat, dieses Package auf Tour zu sehen, der sollte das tun, denn die Tour ist bald vorbei. (Anne)


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