Kylesa Summer TourEs ist sonnig warm, es ist Weltmeisterschaft, es ist Metalfest unweit von hier, und es ist Konzert im beschaulichen Kleinen Klub in Saarbrücken. Ich wähle letzteres, den ach so heiligen Feiertag gebührend zu verbringen. KYLESA habe ich zwar schon einige Male gesehen, auch kürzlich noch hier im Kleinen Klub, aber live haben die Amis mich eigentlich immer überzeugt. Zumal haben sie interessante Vorbands dabei, die allesamt sehenswert sind. Also erscheinen wir pünktlich zur ersten Band und sind gespannt.

Wenn das alles ist, was an diesem Abend den Klub besucht, wird es zwar nicht wie letzte Woche bei SACRED REICH brütend heiß, aber den Veranstalter wird es nicht unbedingt freuen. Licht gibt es zum Fotografieren so gut wie gar keins, da komme ich mit meiner alten Maschine schon ganz schön ins Straucheln.
Eng wird es wohl aber auf der Bühne: Ganze drei Drumsets stehen dort, sowie jede Menge restliche Backline. Und die erste Band soll wohl aus fünf Leuten bestehen...

SUBROSA
Und schon betreten SUBROSA die Bühne. Das verheißt schon mal einige Überraschungen: Mit drei Frauen und zwei Männern sowie zweimal E-Violine in der Besetzung kann man gespannt sein. Die Violinen werden durch zig Fußpedale in Bass- bzw. Gitarrenstacks gejagt. Was erstmal etwas unverständlich wirkt, wird schon direkt bei den ersten Tönen klar: Die Violinen haben hier eindeutig das Sagen bzw. das Sägen. Schwer verzerrt und effektbeladen bilden sie ein zugleich brutales und interessantes Klangereignis zu dem zähen Drumming und den stehenden Akkorden von Bass und Gitarre. Letztere sorgt zusätzlich für den Hauptgesang, der im Kontrast dazu lieblich und anmutend wirkt. Es gibt zwar einige ruhige Passagen bei SUBROSA, aber wenn es mal los geht, dann richtig. Die Sparten Experimental, Doom und Drone werden hier sauber abgearbeitet. Ich muss sagen, ich bin echt beeindruckt, was diese Combo hier vorstellt. Auch wenn bedingt durch Platzmangel und einigen Soundschwierigkeiten hier und da einige Holprigkeiten auftreten, so ist das Gesamtergebnis durchweg positiv. Die erste Überraschung des Abends. Nach gerade einer halben Stunde und drei Songs ist erst mal Schicht, und die erste Fuhre Backline kommt von der Bühne.

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LAZER/WULF
Das sieht schon gleich sehr viel übersichtlicher aus: Drei Mannen in der klassischen Gitarre-Bass-Schlagzeug-Besetzung. Die Ansage von Gitarrist Bryan Aiken enthält nicht nur eine tiefe Verneigung vor der Kunst SUBROSAs, sondern auch die Erklärung, dass jetzt etwas anderes kommt. „We're just crazy!" passt sehr gut zu dem, was die folgenden knapp 40 Minuten auf uns niederprasselt. Experimenteller Math-Core, mal schnell und hastig, mal schleppend und schräg kommt hier von dem überaus agilen Trio. Jede Menge Schweiß und Spiellaune kommen hier von der Bühne, der Gesang beschränkt sich auf kurzes hysterisches Lachen oder kurze Wortfetzen, bis zum Schluss, als Bryan bei gemäßigten Tönen zeigt, was er doch eigentlich für eine tolle Stimme hat. Schade, aber spielerisch lassen die drei aus Atlanta keine Wünsche offen und zeigen, dass man mit grenzenloser Spielfreude und einem großen Sympathiefaktor auch abgefahrene Musik beeindruckend und unterhaltsam ohne Reizüberflutung darbieten kann. Das war sie, die zweite Überraschung des Abends.

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KYLESA
Oft gesehen und immer wieder interessant. Materialschlacht wird hier neu definiert. Insgesamt sechs (!) Pedalboards werden hier auf der Bühne vor dem Doppelschlagzeug aufgebaut. Wenig Platz zum Woandershintreten sag ich da nur. Aber alleine Laura Pleasants beansprucht schon die Hälfte der Boards für ihren Sound, während Phillip Cope neben den Gitarreneffekten auch noch die Begleiteffekte bedient wie diverse Synthieklänge und dem mittlerweile standardmäßigen Theremin.
Laura ist im letzten Jahr nicht unbedingt positiv aufgefallen, als sie aus einer Laune heraus mal kurzfristig zum Ende des Gigs alles umgetreten und dann protzig in der Ecke sitzend ihre Flasche Weißwein ausgetrunken hat. Gute Laune scheint auch heute nicht unbedingt ihr Steckenpferd zu sein, ein Grund sollte es bei den ganzen netten Leuten um sie herum dafür eigentlich nicht geben. Egal, die Leute von LAZER/WULF revanchieren sich wohl durch die Tätigkeit als Stagehand für die Toureinladung und bauen alles fein säuberlich auf, so dass die Show beginnen kann. Laura hat nach wie vor alle Fäden in der Hand, ihre Mitstreiter Phillip und Drummer Carl McGinley bilden die Band, der Rest ist „eingeladen". Was anfangs beeindruckend und innovativ war, wenn die zwei Drummer miteinander und gegeneinander spielten, ist mittlerweile ziemlich unspektakulär. Carl macht definitiv weiterhin einen guten Eindruck hinter dem Kit, aber Edley O'Dowd am zweiten Set ergänzt wirklich nur noch einige Tomschläge und spielt ansonsten nur Carls Parts. Laura ist zwar agil, allerdings auch irgendwie gelangweilt und mies gelaunt. Phillip macht auch nicht viel daher, und Basser Carl kann seinen furiosen Vorgängern nicht unbedingt das Wasser reichen. Die Songs sind zwar allesamt qualitativ hochwertig, aber die Dynamik wurde spätestens beim letzten Album „Ultraviolet" doch deutlich zurückgeschraubt, was sich auch live bemerkbar macht. Auch die alten Songs wie „Unknown Awareness" oder „Scapegoat" hatten live schon mal mehr Pfeffer.
Dennoch waren die ca. 70 Minuten Spielzeit unterhaltsam und boten feine Livemucke.

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Setlist KYLESA:
Intro
Tired Climb
Forsaken
To Forget
Don't Look Back
Quicksand
Unspoken
Long Gone
We're Taking This
Hollow Severer
Unknown Awareness
Scapegoat
Running Red
-
Natures Predators
Said And Done

Als Gesamtbild ein durchaus beeindruckender Live-Abend, wobei hier die Vorbands einiges für ihre Bekanntheit und Beliebtheit machen konnten und stellenweise der Hauptband das Wasser abgruben. Man kann sich auf ein weiteres derartiges Event freuen. (Jochen)


Fotos: Jochen

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